Wasserbilanz und Gewässerqualität
Der im Jinsha-Einzugsgebiet liegende See hat ein Gesamtvolumen von 1,56 Mrd. m³, eine Oberfläche von etwa 310 km² und eine mittlere Tiefe von 4,7 m (Angaben aus World Lakes, 2005). Der nördliche Teil des Sees, Caohai genannt, ist durch einen Damm vom Hauptsee Waihai abgetrennt und entwässert im Normalfall über den Wasserkanal Xiyuan. Der Abfluss des Waihai Sees liegt bei Haikou. Aus dem etwa 2900 km² große Einzugsgebiet fließen mehr als 20 natürliche Flüsse in den Caohai und Waihai bei einer jährlichen Zulaufmenge von 5,5 .108 m³ und einem Abfluss von 4,07 .108 m³ (s. folgendes Bild). Die Lage der Zuflüsse und des Abflusses verursachen eine sehr ungleichmäßige Durchströmung des Wasserkörpers, sodass sich z. B. punktuelle Belastungen durch Abwassereinleitungen lokal konzentriert bleiben. Der See wird vielfältig, nämlich für die industrielle und landwirtschaftliche Wasserversorgung, für die Wasserabflussregelung, den Hochwasserschutz, Aquakulturen, Bootsverkehr und Tourismus sowie als Rohtrinkwasserquelle genutzt. Die Summe der Wasserentnahmen aus dem See liegt bei über 25 % der Gesamtzulaufmenge zum See.

Mittlere Jahreswasserbilanz des Dianchi Sees, Angaben in 108 m³ (Jin et al 2006)
(Jin et al., 2006)

Die Wasserqualitätsparameter BSB5, CSB, Gesamt-N und Gesamt-P, lassen eine leichte Verbesserung der Gewässergütequalität ab 2007, dem Beginn der durch den zehnten 5-Jahresplans Chinas initiierten Umweltschutzmaßnahmen in Yunnan, erkennen. Dennoch sind bisher die entsprechenden Zielvorgaben für eine angestrebte gute Wasserqualität noch weit überschritten (s. folgendes Bild) und erreichen nicht die Wasserqualitätsstufe V.

Entwicklung der org. Parameter BSB5 und CSB sowie N-ges. und Pges. im Dianchi-See von 1998 bis 2009 (Res. Center of Ecology, 2013)
(Jin et al., 2006)

Standort Kunming (Dianchi)

Der Dianchi See, der sechstgrößte chinesische Süßwassersee, liegt im Ostteil des etwa 1880 m hochliegenden Yunnan-Guizhou-Plateaus im Verwaltungsbezirk der Kunming Municipality, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Yunnan (s. folgendes Bild).

Karte des Einzugsgebiets (links) des Dianchi-Sees und Entwässerungsgebiets (eingefärbt) der Stadt Kunming
(Jin et al., 2006)

Die im feuchten Monsunklimagürtel der nördlichen subtropischen Zone liegende Seeregion hat ein Mikroklima, welches eine ursprüngliche Pflanzen- und Tierwelt mit hoher Biodiversität begünstigt. Etwa 70 % des Einzugsgebiets (2030 km²) sind gebirgig. 20 % (590 km²) liegen in der Ebene, der See selbst umfasst etwa 10 % (300 km²) des Einzugsgebiets. Der See wird seit vielen Jahren für die landwirtschaftliche Bewässerung, Industrie- und Trinkwasserversorgung sowie die Fischerei genutzt und bildete damit die Grundlage für die Entwicklung der Bevölkerung Yunnans. Auf Grund des guten Entwicklungspotenzials in Yunnan ist die Bevölkerung von 1,5 Mio. in 1980 über 3,16 Mio. in 2003, auf über 7,0 Mio. in 2012 angestiegen und hat die Belastung des Sees durch kommunales Abwassers gravierend verstärkt. Die mittlere Bevölkerungsdichte im Einzugsgebiet liegt bei 317 Ew./km² und im Kunming-City-Gebiet bei 23.600 EW./km2 (Jin et al., 2006). Mit dem zweiten Fünf- Jahresplan 1958-1962 wurden während der Kampagne des „Großen Sprungs nach vorn“ die Sumpfgebiete und die Flachwasserzonen des Dianchi-Sees für die Landwirtschaft zur Versorgung der Bevölkerung großflächig umgestaltet. Damit verbunden war eine schnelle Entwicklung der Bevölkerung, aber auch eine Verstärkung der Seenbelastung u.a. durch landwirtschaftliche Abwässer. Heute ist das Einzugsgebiet zu 45 % bewaldet und wird zu 30 % landwirtschaftlich, zu 10 % industriell, zu 12 % für Siedlungsflächen und Verkehrswege genutzt.